Bluthochdruck: Krankheitsbild und Ursachen

Weltweit ist der Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) der häufigste Risikofaktor für zerebro- und kardiovaskuläre Erkrankungen. Schätzungen zufolge haben allein in Deutschland etwa 30 Millionen Menschen (ca. 40 %) einen zu hohen Blutdruck. Besonders im Alter ist die Prävalenz der Hypertonie besonders hoch, da mit zunehmendem Alter oft auch der systolische Blutdruck ansteigt. Bluthochdruck steht mit 5,8 % als Ursache für die Gesamtsterblichkeit weltweit. Dabei sind etwa ein Viertel der Hypertoniker nicht einmal bekannt. Ein weiteres Viertel ist bekannt, wird jedoch nicht behandelt, ein Viertel wird zwar behandelt, aber nicht kontrolliert und ca. ein Viertel wird behandelt und kontrolliert.

Krankheitsbild und häufigste Ursachen

Bei der Hypertonie unterscheidet man zwei grundsätzliche Formen, die primäre (auch essenzielle) Hypertonie sowie die sekundäre Hypertonie, wobei letztere eher seltener auftritt und dabei aus einer klar definierten singulären Ursache heraus entstanden (renal: renovaskulär, renoparenchymatös, endokrin, weiterhin: Aortenisthmusstenose, Schlaf-Apnoe-Syndrom, neurovaskuläre Kompression) und häufig ursächlich korrigierbar ist. Es gibt auch das gleichzeitige Auftreten der primären sowie der sekundären Hypertonie bzw. aus einer primären Hypertonie kann sich eine sekundäre Form entwickeln (z.B. arteriosklerotische Nierenarterienstenose oder renoparenchymatöse Hypertonie bei Niereninsuffizienz).

Laut WHO und ISH (International Society of Hypertension) werden der optimale, der normale, der noch-normale Blutdruck und die verschiedenen Schweregrade der Hypertonie unterschieden. Beim Vorliegen eines Bluthochdruckes ist der vom Herzschlag und den Gefäßwänden erzeugte Druck in den Arterien deutlich erhöht. Dieser Druck lässt sich anhand zwei verschiedener Werte bei einer Messung des Blutdruckes ermitteln. Für alle Altersklassen gilt ein Blutdruck von >140 mmHg systolisch (erster Wert) und/oder >90 mmHg diastolisch (zweiter Wert), ermittelt bei mindestens zwei Gelegenheitsblutdruckmessungen an zwei unterschiedlichen Tagen, als manifeste Hypertonie.
Die Blutdruckmessung erfolgt in der Regel mit einem Blutdruckapparat (nach RIVA-ROCCI = RR). Das Messgerät besitzt eine an ein Manometer angeschlossene aufblasbare Gummimanschette. Diese wird dem Patienten um den Oberarm gelegt und aufgepumpt. Beim Ablassen der Luft ermittelt der Arzt auskultatorisch mittels eines Stethoskops den systolischen (1.) Wert und den diastolischen (2.) Wert des Blutdruckes.

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Um herauszufinden, ob ein Mensch an Hypertonie erkrankt ist, werden vom Arzt auch ambulante Langzeit- Blutdruckmessungen (ABDM) über 24 Stunden durchgeführt. Dort gilt bereits ein Tagesmittelwert von >135/85 mmHg als manifest hyperton.

Der optimale Blutdruck beinhaltet das geringste Risiko für kardio- und zerebrovaskuläre Ereignisse und Niereninsuffizienz für alle Altersklassen und liegt bei <120/<80 mmHg. Normal ist der Blutdruck mit einem Wert von <130/<85 mmHg. Der noch-normale Blutdruck zeigt Werte von 130-139/85-89 mmHg. Eine leichte Hypertonie (Grad 1) findet sich mit Werten zwischen 140-159/90-99 mmHg. Deren Untergruppe mit Werten zwischen 140-149/90-94 mmHg gilt als Grenzwert-Hypertonie. Bei der mittelschweren Hypertonie (Grad 2) betragen die Werte 160-179/100-109 mmHg. Die schwere Hypertonie (Grad 3) imponiert schließlich mit Werten von = oder >180/= oder > 110 mmHg.
Die primäre Hypertonie beginnt nicht selten mit einer isolierten systolischen Hypertonie (ISH). Diese weist Werte von = oder >140/<90 mmHg auf, deren Untergruppe, die grenzwertige systolische Hypertonie, Werte von 140-149 /<90 mmHg.

Die verschiedenen Blutdruckklassen gehen mit unterschiedlichen Risiken für kardio- und zerebrovaskuläre Ereignisse einher, welche in der Therapie berücksichtigt werden müssen.
Die Prognose einer Hypertonie hängt dabei im wesentlichen von deren Folgeerkrankungen durch hypertensive Organmanifestationen ab, wovon vor allem das Herz, die Augen, das ZNS, die Nieren sowie die Gefäße betroffen sind.

Viele Menschen wissen über lange Zeit gar nicht, dass sie an Bluthochdruck leiden, da sich zunächst oftmals keine Beschwerden zeigen. Der erhöhte Druck wird beispielsweise bei einer Routineuntersuchung beim Arzt oder später mit den ersten eindeutigen Beschwerden erst erkannt. Das „hypertensive Syndrom“ als Anzeichen für das Vorliegen eines hohen Blutdruckes kann sich dabei sehr vielseitig äußern und sowohl für die primäre als auch für die sekundäre Form sprechen. Dazu gehören Kopfschmerzen, Leistungsminderung, Müdigkeit, Einschränkungen der Herzleistung sowie der Nierenfunktionen sowie Schäden des Zentralnervensystems. Ausgeprägtere Kopfschmerzen mit Schwindel und Erbrechen, Benommenheit, Agitation, neurologische Ausfälle, Brustschmerzen, Atemnot, Sehstörungen, Flimmern vor den Augen oder Nasenbluten etc. können bei Menschen mit Bluthochdruck auf eine Blutdruckkrise hinweisen. Diese Blutdruckkrise mit gleichzeitiger abrupter anfallsartiger Erhöhung des systolischen Blutdrucks auf Werte >200-300 mmHg ist eine akute Komplikation, die als medizinischer Notfall in sofortige ärztliche Behandlung gehört.

Bluthochdruck ist ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung arteriosklerotischer Gefäßerkrankungen mit ihren zahlreichen Folgen, wie z.B. Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenversagen, arterielle Verschlusskrankheit etc. Die Wissenschaft konnte bis heute nicht vollständig abklären, was im Einzelfall zur Ausbildung des Bluthochdruckes führt und warum einige Menschen unter ähnlichen Lebensbedingungen einen Bluthochdruck entwickeln und andere nicht. Allgemein den Bluthochdruck begünstigende Faktoren müssen also nicht bei jedem Menschen zwangsläufig zur Entwicklung eines Bluthochdruckes führen. Was man genau weiß ist, dass es sich beim Bluthochdruck um eine Regulationsstörung handelt, die sich unter multifaktoriellen Bedingungen entwickeln kann. Dazu gehört beispielsweise das Zusammenspiel von genetischer Prädisposition, also einer familiär gehäuft vorkommenden Hypertonie und weiterer exogen hinzukommender Faktoren, z.B. ungesunde Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel.

Patienten, vor allem mit „familiärer Hypertonie“, sind oftmals salzsensitiv, das heißt, bei akuter oder chronischer Kochsalzbelastung steigt ihr Blutdruck besonders an.
Reaktionen auf psychosoziale Faktoren sowie chronischer Stress oder auch Umweltbelastungen, z.B. starke Lärmexposition können die Entwicklung einer Hypertonie begünstigen. Übermäßiger und chronisch hoher Genuss von Alkohol und Nikotin ist ebenfalls ein wesentlicher Faktor. Sogar hormonelle Antikonzeptiva, wie die Anti-Baby-Pille, können an der Entstehung bzw. Aufrechterhaltung einer Hypertonie mitbeteiligt sein. Begleiterkrankungen, wie z.B. Diabetes mellitus, sind weitere Risikofaktoren.

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